Bergedorfer Schützengesellschaft
        von  1848 e.V.


Die Zeit von 1933 bis 1945

Unmittelbar nach der Machübernahme Adolf Hitlers erfolgte in Deutschland bei allen Organisationen, Verbänden und Vereinen die sog. "Gleichschaltung" und der Versuch, sich an die "Bewegung" anzuhängen und mitzugehen. Nur mit Widerwillen mußte sich auch in Bergedorf der "Präses" in "Vereinsführer" umbenennen.
Bereits 1935 wurde das Bergedorfer Schützenfest mit einer Heimatwoche verbunden, der alle NS-Formationen eingeschlossen waren. Das Fest stand unter dem Symbol des Stadtsoldaten im Schilderhaus - geschaffen von dem bekannten Grafiker Bruno Karberg. Der historische Festzug, unter der Leitung des neuen Kreiskulturwartes, umfaßte mehr als 80 Gruppen.
1936 entstand ein neuer "Deutscher Schützenverband" im Rahmen des "Reichsbundes für Leibesübungen" mit der Maßgabe, alle Schützenvereine eines Ortes zusammenzuschließen. Bergedorf wurde mit der Schützengesellschaft und dem Schützenverein Rotehaus der stärkste im Hamburger Außengebiet. Damit verbunden waren erhöhte Anforderungen der Wettkämpfe nach internationalen Bedingungen. Das Kleinkaliberschießen war auf dem Weg zum Volkssport. Da bei der Bergedorfer Schützengesellschaft ausschließlich Großkaliber geschossen wurde, entstand die Forderung nach einem neuen Schießstand. Alte Traditionsuniformen sollten unangetastet bleiben; alle, die sich neu zu uniformieren wünschten, mußten auf Wunsch des Reichssportführers eine einheitliche Schützenkleidung tragen.
Am 14. März 1937 fand in ganz Deutschland das erste "Opferschießen" statt. Die Einnahmen waren an das "Winterhilfswerk" abzuführen.
Die dritte Heimatwoche führte bereits zur Trennung vom Schützenfest. Der Vorsitzende Ludwig Voges legte sein Amt nieder. Neuer Vereinsführer wurde der Apotheker Ludwig Frehse.
Am 24. Oktober 1937 erfolgte unter großer Beteiligung die Einweihung des neuen Schießstandes als einer der "besten Norddeutschland". Sechs Anlagen für 175 m und drei Anlagen für 100 m Schießen. Zehn Anlagen für 50 m Kleinkaliberschießen wurden auf dem alten Stand eingerichtet. 100 Buchen, 40 Birken und 80 Tannen pflanzten die Schützen als Ausgleich für den bebauten Boden.
Ende 1938 versuchte die SA eine Neuordnung im Schießsport unter dem Vorwand "Körperertüchtigung und Leibeserziehung" als wehrsportliche Pflege zu erarbeiten. Die Leistung war zu steigern und durch Erreichung des SA-Sportabzeichens jährlich zu belegen. Durch Einführung eines Sportgroschens wurde die "Deutsche Sporthilfe" als Stiftung zur "Förderung der Deutschen Leibesübungen" eingeführt und alle Sportgemeinschaften verpflichtet, bei allen Veranstaltungen 10 % hierfür abzuführen.
Die Schützenvereine trugen untereinander Staffelkämpfe aus.
Das letzte Schützenfest vor dem 2. Weltkrieg fand am 2. Juli 1939 statt mit einem Ummarsch vom Mohnhof durch die gesamte Stadt zum Schießtal mit weißer Hose, die Ausmarschgewehre mit gelber Rose und Eichenlaub geschmückt.
Das sonntägliche Übungsschießen wurde nur nach dem Luftangriff auf Hamburg ab Juli 1943 für einige Zeit unterbrochen. Besondere Förderung erhielt die Jugendabteilung mit dem Kleinkalibergewehr. Verstärkt führten Jugendgruppen der Hitlerjugend Unterkreis- und Staffelschießen vereint mit vielen Organisationen als sogenanntes "Wehrschießen" durch.
Bei den Schützen war der Mitgliederstand infolge der Überalterung und Einberufungen zum Kriegsdienst stark zurückgegangen. Durch das hierdurch verringerte Beitragsaufkommen konnte die Schuldenlast der neuen Schießanlage nicht mehr getragen werden. Zahlreiche Mitglieder stifteten ihr zur Verfügung gestelltes Darlehen.
Nach Kriegsende wurden beide Schießanlagen von der britischen Militärkommission beschlagnahmt, sämtliche Gewehre und Munition abgegeben und der Schießbetrieb eingestellt.